Ulrich Kammerer
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Vita

Der Weg dahin.

2015 stand mein Lebenswerk vor dem Aus. Acht Monate und eine Woche später war es gerettet — durch einen Zufall, auf den sich niemand verlassen sollte.

Ulrich Kammerer

„700 Menschen verließen sich auf mich. Und ich saß um zwei Uhr nachts vor einer Zahl, die mir den Boden unter den Füßen wegzog: zwei Millionen Euro Schulden."

Ulrich Kammerer · „Bevor es zu spät ist", Kapitel 1
Der Verlauf

Vier Abschnitte, einer davon in Sekunden.

Bis 2015

Siebenhundert Mitarbeiter

Ich habe Unternehmen geführt, die von außen gut aussahen — und von innen auch. Wir wuchsen, wir suchten neue Märkte, ich plante die nächsten Jahre. Was ich nie getan habe: nachsehen, was gilt, wenn es schiefgeht. Ich hielt mich für unzerstörbar. Wer das tut, liest keine Insolvenzordnung.

2015

Von ganz oben nach ganz unten

Es kam nicht schleichend. Es kam durch einen Zufall, den niemand hätte vorhersehen können, und es ging schnell: zwei Millionen Euro Schulden, Banken, die drängten, Lieferanten, die ungeduldig wurden, ein Finanzamt, das mahnte. Zwischen „alles läuft" und „ich weiß nicht weiter" lag kein Jahr. Es lagen Wochen.

2015–2016

Acht Monate und eine Woche

Was mich gerettet hat, war wieder ein Zufall: Ich stieß auf ein Verfahren, das der Gesetzgeber geschaffen hat und das kaum jemand kennt. Mein Steuerberater kannte es nicht, mein Anwalt erwähnte es nicht, meine Bank verschwieg es. Nach acht Monaten und einer Woche war die Insolvenz beendet — ohne Verlust. In neunundneunzig von hundert Fällen geht das anders aus.

Heute

Vorbereitung statt Glück

Ich habe Glück gehabt, und Glück ist keine Strategie. Deshalb arbeite ich seitdem daran, dass Unternehmer nicht darauf angewiesen sind: mit der Akademie und dem Unternehmerkompass für alle, bei denen noch nichts brennt, mit der UKMC eG für die, bei denen es das schon tut. Dazu das Buch, Vorträge und eine kleine Zahl an Mentoring-Mandaten.

Haltung

Was ich nicht relativiere.

Es gibt nur zwei Arten von Unternehmen: die, die auf die Krise vorbereitet sind — und die, die unvorbereitet in sie hineingeraten. Denn eines ist so sicher wie der Tod: Die Krise kommt.

Es geht nicht darum, eine Krise zu vermeiden — sondern darum, vorbereitet zu sein. Ein Unternehmen, das gut aufgestellt ist, übersteht auch das, was niemand kommen sah. Eines, das auf Zuruf gebaut ist, fällt beim ersten Windstoß.

Ich lehne Insolvenz-Romantik ab. Es ist nichts Edles daran, pleitezugehen. Wer daraus eine Gründerlegende baut, hat entweder keine erlebt oder erzählt sie falsch.

Vorbereitung ist nicht Zögern. Der Unterschied zwischen einem kontrollierten Abstieg und einem freien Fall liegt nicht im Mut, sondern darin, was griffbereit liegt, wenn es losgeht.

Bekannt aus